Festivalprojekt - Künstlerdorf Vlotho 2002
Labor für Wochenendutopien, neue Soziale Formen und Kultur
1. kurze Bemerkung zum Festival + Alkoholkonsum
2. Info des Künstlerdorfs 2002
3. ...in Vorbereitung, ein ausführlicher Bericht, natürlich mit vielen Fotos
1. kurze Bemerkung zum Festival + Alkoholkonsum: dieses Motto beim Festival in Vlotho, daß die Leute Bier trinken sollen um das Festival zu finanzieren, stellt die Idee der Umsonst+Draußen-Festivals grundlegend in Frage. Ich kann niemand mehr raten als freiwilliger Helfer nur einen Handschlag zum Wohl der Brauereien und der Bands, die allein von diesem Deal profitieren, zu machen. Das ist nicht mehr unsere Kultur, sondern Verrat.
Insofern ist die Aggressivität der Alkis sogar verständlich. Im Grunde ist diese reaktionäre Alkoholisierung der Gegenkultur, und damit ihre Zerstörung und Überführung in den normalen Kommerz nicht unähnlich dem, was die Agents Provocateurs in Oslo und Genua gemacht haben, um den Widerstand zu brechen: sich in die Szene mischen und sie zersetzen. Es wird Zeit deutliche Grenzen zu ziehen und genauso bewußt Provokateure aus unsern Aktionen herauszuhalten, wie die Unterstützung von Drogenmißbrauch nicht zuzulassen.
Mir ist klar, daß der Alkohol schon immer sowas wie der Heilige Geist der Unzufriedenen, der Rebellen, Marodeure und Künstler gewesen ist, aber vielleicht auch ihr größter Feind. Auf jeden Fall ist die organisierte Alkoholisierung in Vlotho was anderes, als wenn die Leute sich individuell entscheiden, sich aus Frust oder Schwachheit in die Arme ihres Unglücks zu werfen. Auch daß es ein kollektives bacchantisches Ritual wäre, kann ich nicht gelten lassen, ersten müssen wir nicht alle schlechten Rituale der Urzeit übernehmen, zweitens sehe ich nicht die soziale Sprengkraft eines Bacchanals, und drittens fehlen hier die Nymphen und Mänaden. Also Schluß damit!

2. Info des Künstlerdorfs 2002

-Simone und Helfer machen unsere Steinzeit-Suppenküche
-Lothar und Kathrin machen die Yogiteestube
-Herrmann Cropp sorgt für Literatur und die Infotafeln
-Claudia Romanns stellt Bilder aus
-Ina Falke und Freundinnen laden Kinder ins Malzelt ein
-Hildegard Jacob bittet ins Tipi zur Mandala-Aktion
-Pico Reimer und Helfer laden zum mitbauen an der Sandskulptur ein
-Gerhard Sattler und Lothar Stibbe kümmern sich ums Session-Zelt
-und viele Musiker: Karin, Peter, Uwe ...
-Walter von Lingen ist mit Musikmobil + Regenbogenzelt hier
-Petra bietet Tee und Kuchen an
-Barbara und die Scherazaden sind mit dem Räucherstäbchenprojekt da
-Lorenz Stender hat 2.Hand+Selbstgenähtes mitgebracht
-Anya macht den Puppenstand und Jonglage und mal sehn ...
...viele Mithelfer gesucht, am Literaturstand fragen!
Wir wollen euch Besuchern an diesem Wochenende durch unsere gemeinsame Aktion einen kleinen utopischen Ausblick auf ein selbstbestimmtes Leben zu geben, wir wollen euch Mut machen das Leben, insbesondere unsere Kultur selbst in die Hand zu nehmen, die Musik runter von der Bühne, die Bilder raus aus den Museen, die Literatur weg von Fernseh- und Verlagslobby. Die Kultur gehört allen, sie gehört weder den Medienkapitalisten noch elitären "Künstlern", die sich auf großen Bühnen über die Menschen erheben. Wir brauchen keine Stars, wir brauchen keine autoritäre Prominenz, wir brauchen keine überheblichen Berühmtheiten. Indem wir hier im Künstlerdorf alle auf einer Ebene miteinander umgehen, egal wieviel oder wenig Kunst, beseitigen wir den kulturellen Dogmatismus und den kommerziellen Geniefetischismus.
...alle die hier mitmachen, bekommen kein Honorar oder sowas, einzige Vergünstigung für Künstler und Helfer ist kostenloses Essen, einige Künstler haben (man sollte es gar nicht verraten) draufgelegt und Farben oder Material gekauft. Im übrigen sind die Mehrzahl der Künstler dank der neoliberalen Kulturpolitik des Aushungerns bloß Sozialhilfeempfänger. Aber wir hoffen, daß durch eure Spenden (wo ist die Dose?) und die Unterstützung der Verkaufsstände unsere Auslagen wieder reinkommen - und vor allem, daß Festivals künftig anders gefeiert werden, hoffen wir!
Leben statt im Falschen!
Weitere Informationen bitte per eMail anfordern:

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