Subject: Gathering of the Tribes

From: "Wolfgang Sterneck" <w.sterneck@sterneck.net>

Gruß Wolfgang -------------

 THE GATHERING OF THE TRIBES

"Wir brauchen solche Treffen, um das Vertrauen wieder aufzubauen, daß uns in der Kindheit genommen wurde..." - Es war Sobey aus Vancouver, der mit diesen Worten die AtmosphÄre des zweiten "Gathering of the Tribes" in Los Angeles zusammenfaßte. VertreterInnen von rund 50 Projekten setzten sich dort fÜnf Tage lang theoretisch wie praktisch mit verschiedenen Wegen der inneren persÖnlichen Entwicklung und gleichermaßen der Äußeren gesellschaftlichen VerÄnderung auseinander.

Das VerstÄndnis von Tribe bzw. Stamm war relativ weit gefÄchert und bewußt im Vorfeld nicht fest definiert. So erstreckte sich der Begriff auf lokale Projekte genauso wie auf die TeilnehmerInnen bestimmter Festivals, auf grenzÜberschreitende Aktionsgruppen genauso wie auf kommuneartige Gemeinschaften. Vertreten waren unter anderem das Rainbow-Gathering, Burning Man und Earthdance, AngehÖrige der Farm-Kommune und anderer Eco-Village-Projekte, Mitglieder von Reclaim the Streets, Free our Forests, Association for Psychedelic Studies, Subversive Sounds, Moontribe und dem dem Dream Theatre.

Inhaltlich reichte das Spektrum von Gruppen aus dem radikalen politischen und Ökologischen Spektrum Über Initiativen, die sich aufklÄrend gegen die bestehende Drogenpolitik stellen, bis zu Personen die beispielsweise Über Trance-TÄnze oder meditative Musik zu einer heilenden VerÄnderung beitragen wollen. Das verbindende Element liegt neben der durchgÄngig idealistischen Ausrichtung zum einem im Bezug zum "Dance Movement", also zur "Techno-Kultur in unterschiedlichen Ausformungen, sowie im zweifellos oftmals vagen aber immer ernsthaften Bestreben "to make the world a better place".

Die Vielfalt verschiedener Ausrichtungen fÜhrte dabei keineswegs zu einer Beliebigkeit, vielmehr befruchteten und ergÄnzten sich die Positionen trotz einzelner Differenzen an vielen Punkten gegenseitig. In dieser Hinsicht erinnert das "Gathering of the Tribes" an das "Join the Cybertribe-"Festival bzw. an das "Sonics - Cybertribe-Netzwerk fÜr Rhythmus und VerÄnderung", das im deutschsprachigen Raum beheimatet ist und trotz diverser interner Probleme eine Ähnlich verbindende Rolle einnimmt.

 TRANCE AND POLITICS

Ich selbst hatte die Ehre den inhaltlichen Teil der Konferenz mit einem Vortrag einzuleiten, der von einem Übergreifenden gesellschaftlichen Ansatz ausging. Meinen Ausgangspunkt faßte ich metapherhaft zusammen: "Viele glauben, daß die Techno-Kultur eine Insel sei, doch die meisten vergessen dabei, daß jede Insel von einem Meer umgeben wird..." Es ging mir dabei um eine Auseinandersetzung mit der selbstherrlichen Zufriedenheit mit der sich viele aus dem grenzÜberschreitenden "Dance Movement" oftmals zurÜcklehnen, solange sie "geile Musik, gute Drogen und viel Spaaaaß" haben und den eigenen Alltag einigermaßen regeln kÖnnen. Alles andere scheint egal, doch spÄtestens wenn der Drogenfahnder vor der TÜr steht oder Parties verboten werden wird klar, daß diese scheinbare Insel-Idylle eine Illusion ist. Dann ist es jedoch schon viel zu spÄt.

PrÜgelnde Polizisten auf politischen Party-Demos machen den symbolhaften Einfluß des Meeres auf die Inseln genauso augenscheinlich deutlich, wie beispielsweise die Ego-Trips von DJs, die sich im Zuge der Kommerzialisierung wie Rockstars verhalten, oder die Raves in "3. Welt"-LÄndern, bei denen vor lauter Verpeilung einfach ignoriert wird, daß einige Kilometer weiter entfernt Menschen hungern. Die Auflistung lÄßt sich beliebig fortsetzen, letztlich ging es mir um die aktive Anerkennung einer Verantwortung, die weit Über die Party hinausgeht: "Manche Leute denken, daß Techno eine Insel sei - und sie Öffnen die Augen und sie beginnen zu tanzen, nicht nur auf dem Dancefloor, sondern auch Überall in den Straßen, in den Klassenzimmern, in den BÜrorÄumen, in den SupermÄrten, auf den Treffen der Wirtschaftschefs. Und Tanzen steht dabei fÜr VerÄnderung, radikale VerÄnderung..." (Der vollstÄndige Redetext wird voraussichtlich in einer der nÄchsten Mushroom-Ausgaben zu finden sein.)

Beispielhaft fÜr die Ausrichtung des Gatherings bildete der anschließende Beitrag von Cinnamon Twist einen Gegenpol, der sich mit der Frage "Kann Trance-Tanz den Planeten retten?" beschÄftigte. Im Rahmen seiner positiven Antwort beschrieb Cinnamon eine "gemeinschaftliche psychedelische Trance als eine direktes Gegengewicht zur zerstÖrenden SelbstgefÄlligkeit der westlichen, technisch-industriellen Mega-Maschine, die wahnhaft alles tut, um den Planeten Erde zu zerstÖren." Cinnamon bezog sich dabei auf positive Energien, die durch den Tanz freigesetzt werden. "Obwohl sie von unterschiedlichen Begriffen ausgehen, glauben viele Stammeskulturen, daß sie mit ihren rituellen TÄnzen etwas bewegen kÖnnen. Sie sind notwendig, um die natÜrliche Balance aufrecht zu erhalten, um Regen herbeizurufen, um Krankheiten zu heilen, um die Dinge in Bewegung zu halten. Deshalb sind diese TÄnze fÜr sie heilige TÄnze. Und im Grunde ist nicht nur die Form des Tanzes bzw. das, was die TÄnzerInnen damit verbinden, heilig. Heilig ist vor allem das, was sie damit erzeugen: eine kollektive Energie."

Diese Energien lassen sich Cinnamons VerstÄndnis nach auch in der heutigen Zeit nutzen: "Zweifellos haben wir keine Tradition derartiger heiliger TÄnze mehr. Wir haben keine TÄnze, die von einer derartigen Intention oder einem vergleichbaren gemeinschaftlichen GefÜhl getragen sind. Was wir haben bzw. wonach wir letztlich streben, is eine grundlegende Einstellung, die alles durchzieht, wenn wir fÜr unsere Feiern zusammenkommen: Frieden - Liebe - Gemeinschaft - Respekt. Und das ist nicht wenig fÜr einen Anfang, auch wenn es leicht mißbraucht werden kann. Es liegt an uns, ob wir es auch bei unseren Festen dazu kommen lassen oder ob es uns gelingt, kollektive Energien freizusetzen, die zur Heilung der Erde beitragen ..."

 DER KRIEG GEGEN DROGEN UND PARTIES

Mehrere VortrÄge und Workshops auf dem Gathering setzen sich mit dem "War on Drugs" auseinander, der inzwischen auch zu einem Feldzug gegen das Dance-Movement wurde. Der sogenannte "Krieg gegen Drogen", den die us-amerikanische Regierung ganz offiziell und auch unter dieser treffenden wie auch entlarvenden Bezeichnung fÜhrt, hat eine lange Geschichte. In den westlichen Kulturen wurden und werden bestÄndig bestimmte Substanzen als Drogen verboten, wobei der Umstand, daß darunter in einigen Regionen zeitweise auch einmal Alkohol, Tabak und Koffein fielen, eine gewisse Beliebigkeit schnell deutlich macht. Die Verbote der Substanzen bzw. die Verfolgung der ProduzentInnen und der KonsumentInnen hÄngt dabei keineswegs nur mit einer vermeintlichen oder tatsÄchlichen schÄdlichen Wirkung zusammen, sondern war schon immer mit wirtschaftlichen und machtpolitischen Interessen verknÜpft.

Nach dem Ende des Kalten Krieges erhielt der Krieg gegen Drogen in den USA eine neue Bedeutung. In Folge des Zerfall der Sowjetunion wurde ein neues Feindbild benÖtigt und in den Drogen schnell gefunden. Die Konzentration auf der "Drogenproblem" und dessen BekÄmpfung lenkt von den eigentlichen inneren gesellschaftlichen Problemen ab, die wiederrum auch entscheidend zum zerstÖrenden Gebrauch von Drogen beitragen, rechtfertigt gleichzeitig die politische und auch militÄrische Einflußnahme auf andere LÄnder, sowie die Repression unliebsamer Minderheiten.

Nicht zuletzt trÄgt der "War on Drugs" den industriell-miltÄrischen Komplex mit all den Konzernen, die an jedem Krieg verdienen, egal welche Seite ihn gewinnt. Wie groß der Einfluß dieser Konzerne auf die Regierung und deren Entscheidungen ist, lÄßt sich nur schwer einschÄtzen. Die riesigen Spendensummen, die den entsprechenden Kandidaten fÜr ihren Wahlkampf zur VerfÜgung gestellt werden, oder auch die vergeblichen BemÜhungen den Verkauf von Waffen in den USA einzuschrÄnken, lassen die Dimension jedoch vermuten. Letztlich sind es in der Regel jedoch nicht einzelne Konzernchefs und ihre PolitikerInnen, welche die wirtschaftlichen Entwicklungen bestimmten, sondern Prozesse, die sich aus der Dynamik eines Gesellschaftssystems ergeben, das am Profit als hÖchstes Ziel ausgerichtet ist. Vor diesem Hintergrund wird klar, daß der Krieg gegen die Drogen nicht nur ein Krieg ist, der gar nicht gewonnen werden kann, sondern insbesondere ein Krieg ist der aus wirtschaftlichen und politischen GrÜnden auch gar gewonnen werden soll.

Die GrÖßenordnung des "War on Drugs" machen einige Statistiken schnell deutlich. Die Vereinigten Staaten haben als vermeintliches Land der Freiheit im VerhÄltnis zur BevÖlkerungszahl weltweit die hÖchste Zahl an GefÄngnissinsassen, wobei ein Großteil im Zusammenhang mit Drogen verurteilt wurde. So kam es beispielsweise 1996 zu rund 5 Millionen Verhaftungen auf Grund von Drogendelikten, Über 2 Millionen Menschen wurden in Folge wegen VerstÖßen gegen Drogengesetze verurteilt und inhaftiert. Besonders betroffen ist dabei die afro-amerikanische BevÖlkerung, was die noch immer in weiten Teilen rassistische Ausrichtung der Rechtsprechung deutlich macht. 1969 flossen von Seiten der damaligen Nixon-Regierung 65 Millionen $ in den Krieg gegen Drogen, 1999 unter Clinton war es die kaum vorstellbar hohe Summe von 17,7 Billionen $.

Inzwischen ist auch das Dance-Movement direkt vom Krieg gegen Drogen betroffen. In den letzten Monaten kam es im Zuge der wachsenden Bedeutung des Dance-Movements zu einer von den Medien und einflußreichen Politikern getragenen Kampagne die Techno mit Drogenkonsum gleichsetzt. Zu sehen waren beispielsweise TV-Berichte mit Aufnahmen von bleichen, verkrampft grinsenden Jugendlichen, unterlegt von Statistiken Über Drogenprobleme. Parallel dazu organisierten RegierungsbehÖrden vorgeblich wissenschaftliche Konferenzen bei denen Techno-Parties mit den sogenannten Crack-Houses gleichgesetzt wurden, in denen CrackabhÄngige bzw. Crack-Dealer leben. Dieser Definition zufolge sind Parties und Raves Veranstaltungen, die vorrangig dazu dienen mit Drogen zu handeln bzw. diese zu konsumieren. Inzwischen liegen Gesetzesinitiativen vor, die darauf abzielen die VeranstalterInnen fÜr den Konsum von Drogen auf ihren Parties direkt verantwortlich zu machen.

Ein erstes landesweit aufseheneregendes und wohl richtungsweisendes Gerichtsverfahren findet in New Orleans statt. Dort sind drei Veranstalter auf Grund von VerstÖßen gegen Drogengesetze angeklagt. Bemerkenswert ist, daß ihnen selbst kein Verstoß vorgeworfen wird außer eben der Organisation der Party auf der einige GÄste Drogen konsumierten. Bei einer Verurteilung drohen ihnen GefÄngnisstrafen von bis zu 20 Jahren. Die Dimesion eines derartigen Urteils wÄre kaum abzusehen. Praktisch wÜrde sich VeranstalterInnen einem immensen Risiko ausssetzen, wenn sie eine Party organisieren, da sie selbstverstÄndlich nicht vÖllig sicher stellen kÖnnen, das keine Drogen konsumiert werden. Auf diesem Wege soll eine inzwischen auch in den USA stark anwachsende Jugendkultur unter Kontrolle gebracht werden.

Auf dem Gathering wurden verschiedene Wege vorgestellt dieser Politik entgegenzuschreiten. Übereinstimmend wurde eine weitgehende Freigabe psychoaktiven Substanzen und eine Aufhebung aller repressiven Maßnahmen gegen das "Dance-Movement" gefordert. Scott Ehlers von der Campaign for New Drug Policies stellte einen detaillierten Maßnahmenkatalog vor, der dazu beitragen soll das Image der Techno-Kultur von einer Reduzierung auf Drogen und KriminalitÄt zu einem Bild einer Jugendkultur zu wandeln, die auf auf Werten wie Gemeinschaft und Gewaltlosigkeit basiert und sich auch Über bestimmte Projekte fÜr das Wohl der Gesellschaft einsetzt. Das Future-Tribe-Project aus Florida stelle seine Kampagne "I rave and I vote" vor, mit der Jugendliche angeregt werden sollen, sich an den Wahlen zu beteiligen und einen Umschwung zu bewirken. Eine Gegenposition liegt in dem Ansatz den Underground zu stÄrken und sich dabei auf Strukturen zu konzentrieren, die von staatlichen Institutionen nicht angegriffen werden kÖnnen. Ganz praktisch informierte spÄter ein Anwalt, welche Rechte gegenÜber Polizeikontrollen bestehen, Leute von Rainbow-Gathering berichteten zudem Über die MÖglichkeiten Public-Land zu nutzen. Mitglieder von DanceSafe, vergleichbar mit Projekten wie Eve & Rave und Alice, und MAPS betonten daneben die Bedeutung einer objektiven AufklÄrung Über Drogen innerhalb der Techno-Szene und der Notwendigkeit von Übergreifenden Forschungsprojekten.

 SOCIAL-WORKER, DJ-EGOS UND ZEN-KATZEN

Mehrfach fÜhrten Diskussionen Über die Frage nach der Finanzierung alternativer, sozial ausgerichteter Projekte zu einer kritischen Auseinandersetzung mit dem Bereich der Sozialarbeit. Übereinstimmung bestand darin, daß eine Ausweitung sozialer Projekte und die entsprechende Bereitstellung Öffentlicher Gelder unbedingt nÖtig ist. Aufgezeigt wurde aber auch immer wieder der innere Konflikt vieler Projekte, die meist hauptsÄchlich auf Probleme konzentriert sind, diese geradezu suchen bzw. sich darÜber rechtfertigen mÜssen, um von Öffentlicher Seite Gelder zu bekommen. Gleichzeitig werden immer nur Symptome angegangen, die eigentlichen Ursachen von Erscheinungen wie DrogenabhÄngigkeit oder Obdachlosigkeit, die neben individuellen Faktoren zu einem betrÄchtlichen Teil in einem vor allem auf Profit und Konkurrenz ausgerichteten Gesellschaftssystem liegen, dÜrfen jedoch nicht aufgezeigt werden. Oftmals setzt die Zensurschere schon im Kopf an, um das Projekt bzw. den eigenen Arbeitsplatz nicht zu gefÄhrden.

Neben der RealitÄt einer notwendigen, allerdings vorrangig problemorientierten Sozialarbeit wurde das Bild des "positive space" gestellt. "Wenn es im weitesten Sinne RÄume gibt, in denen sich die Menschen selbstbestimmt und gemeinschaftlich entfalten kÖnnen, in denen ihnen auch beigebracht wird, sich auch einmal selbstkritisch zu reflektieren,", so Theo sinngemÄß in einer Diskussionsrunde, "dann fallen viele Probleme automatisch weg bzw. sie treten Überhaupt nicht auf..."

Ein weiterer Aspekt, der in vielen Diskussionsrunden immer wieder auftrat, ist die Rolle der DJs. Auch bei alternativen Veranstaltungen lÄßt sich dahingehend nur noch selten der ursprÜngliche Anspruch der Techno-Kultur aufrecht erhalten, der neben einer Abkehr von kommerziellen Strukturen auch eine Abkehr von jeglichem Starkult beinhaltete. Der DJ stand in seiner Wichtigkeit ursprÜnglich auf einer Ebene neben den TÄnzerInnen auf der TanzflÄche oder den Leuten aus der Deko-Gruppe. Die Rollen waren sogar austauschbar bzw. sie sollten bewußt austauschbar sein, im Mittelpunkt stand das gemeinsame Feiern als ein Ausdruck eines anderen Lebensweges. Von wenigen AnsÄtzen abgesehen sind diese Zeiten jedoch vorbei. LÄngst haben die DJs die Rolle eingenommen, die Über Jahrzehnte hinweg der Lead-Singer einer Rockband hatte.

Mit der steigenden PopularitÄt einzelner DJs ist in vielen Projekten die Frage der Kommerzialisierung und des SelbstverstÄndnisses der DJs verbunden.

Nachdem es anfangs noch ein VergnÜgen und eine Ehre war auf einer Party aufzulegen, sprechen viele DJs dann irgendwann von "arbeiten" oder oftmals auch mit einer gewissen Überheblichkeit demonstrativ von "Ich wurde nach XY gebucht". Kritisiert wurde zudem die scheinbar unkritische Auswahl der Auftrittsorte von Seiten vieler alternativer DJs. Dabei wurde jedoch deutlich, daß die DJs keineswegs zwangslÄufig ihre ursprÜngliche Ideale plÖtzlich verraten haben und "kommerziell" geworden sind, vielmehr setzt eine nur schwer steuerbare Eigendynamik ein. Um sich noch mehr auf die Musik konzentrieren zu kÖnnen, geben viele DJs ab einem gewissen Erfolgsgrad ihre alten Jobs auf, geraten dann aber in eine AbhÄngigkeit von Auftritten um ihren Lebensunterhalt bestreitenzu kÖnnen.

Ein anderes Diskussionsthema war das "im Moment sein". Mishou sprach davon, daß Katzen die wahren buddhistischen Zen-Meister sind, indem sie alles ausblenden kÖnnen und tatsÄchlich den Moment leben. WÄhrend sie in einer sonnigen Ecke behaglich dÖsen leben sie Zen ohne eine Vorstellung davon zu haben. "Wie oft befinden wir uns dagegen in Situationen, die einfach an uns vorbeirauschen, die im RÜckblick wie ein Augenblick erscheinen, weil wir uns nicht bewußt auf sie konzentrieren?"

Ein Anhalten, ein bewußtes Wahrnehmen des Momentes bzw. der entsprechenden Situation wirkt dem entgegen. Ein Ansatz kann bei geschlossenen Augen eine bewußte Konzentration auf die GerÄusche sein, die uns umgeben, und davon ausgehend auf das, was gerade passiert. Dies bedeutet keineswegs ein RÜckzug in die esoterische Innerlichkeit, so die durchgÄngige EinschÄtzung der Runde, sondern vielmehr Über ein Bewußt-Sein im eigentlichen Sinne des Wortes, der Ausgangspunkt fÜr ein Wahrnehmen von dem, was uns umgibt und weitergehend fÜr ein entsprechendes Handeln, nicht zuletzt auch in einem gesellschaftlichen Sinne.

 THE NEXT STEP - GEMEINSCHAFTLICH LEBEN

Der zweite Konferenz-Tag war der Frage nach den MÖglichkeiten gemeinschaftlichen Zusammenlebens gewidmet. An mehreren Punkten war zuvor die Frage nach dem "nÄchsten Schritt" aufgetaucht. Einige Gruppen, die mit ihren Projekten gewisse Erfolge und eine KontinuitÄt erreicht haben, berichteten von der Diskussion Über eine tiefergehende WeiterfÜhrung, die sich stÄrker auf die Gruppe als Gemeinschaft bezieht. Das Spektrum reicht dabei von Wohngemeinschaften Über kommuneartige Projekte bis zu Kulturzentren.

Auf großes Interesse stieß das Projekt einer Gruppe aus Vancouver. In den letzten Jahren organisierte dort das Mycorrhiza Collective verschiedene Parties, um mit dem Gewinn ein LandstÜck in Elaho Valley zu kaufen. Damit soll ein Beitrag zur Rettung des verbliebenen Regenwaldes in Kanada geleistet werden, der weiterhin in weiten Teilen von der Abholzung bedroht ist. Chris Hill vom Mycorrhiza Collective erklÄrte in diesem Zusammenhang die tiefere Bedeutung des Projekt-Namens: "In den RegenwÄldern leben die BÄume in einer symbioten Assoziation mit einer Vielzahl von Bodenpilzen zusammen, die als Mykorrhiza bezeichnet wird. Die Pilze umgeben die Wurzeln der BÄume, sie leben von ihnen und schÜtzen sie gleichzeitig. Dadurch entsteht ein energetische Netzwerk im Untergrund des Wald. Dieses Symbolik wollen wir auf unsere AktivitÄten Übertragen: >Creating an underground energy network that sustains the forest>"

Das GelÄnde soll zur Basis eines Gemeinschaftsprojektes werden: "Wir sind gerade dabei ein Camp in Elaho Valley aufzubauen. Es soll zum einen dazu dienen, die Aufmerksamkeit auf die ZerstÖrung dieses so wichtigen Regenwaldes und die Folgen zu richten. Zum anderen wollen wir von diesem Camp ausgehend ein Öko-Dorf errichten, das langfristig unabhÄngig bestehen kann und sich Über Anbau von Nahrungsmitteln und eine eigene Energieversorgung selbst trÄgt. Langfristig setzen wir dabei auf Hanf als Rohstoff. Das Camp soll zu einer Anlaufstelle fÜr Menschen werden, die von Ähnlichen Ideen geleitet werden und mit uns dieses Projekt als eine Gemeinschaft in Einklang mit der Natur aufbauen wollen. Wir haben damit begonnen, weltweite Kontakte zu Personen und Organisationen zu knÜpfen, um aus ihren Erfahrungen zu lernen und mit ihnen zusammenzusarbeiten. Gleichzeitig wollen wir im Sommer eine Reihe von Veranstaltungen und Festivals durchfÜhren. Im Anschluß werden als eine Art internationale Karawane, zu der alle Interessierten eingeladen sind, die Pazific-KÜste bis nach SÜdamerika hinunterziehen, um unsere Ideen weiterzutragen und mit den Menschen gemeinsam zu feiern."

Im Anschluß sprach Sean Siple Über die Erfahrungen der Farm, einer Großkommune in Tennessee, der derzeit rund 200 Personen angehÖren. Im Sinne eines Öko-Dorfes basiert sie auf Ökologischen und basisdemokratischen bzw. gemeinschaftlichen Prinzipien. Die Farm wurde 1971 im Anschluß an die Hippie-Ära gegrÜndet, zu einem Zeitpunkt als ebenfalls die Frage nach dem nÄchsten Schritt gestellt wurde und teilweise mit dem Aufbau von kommuneartigen Gemeinschaften beantwortet wurde. Die meisten dieser Projekte scheiterten schon nach wenigen Jahren am Druck durch die umgebende Gesellschaft, sowie an ungelÖsten inneren WidersprÜchen und zwischenmenschlichen Problemen. Klar wurde dabei immer wieder, daß es nicht ausreicht sich in einen vermeintliche Idylle zurÜckzuziehen.

Notwendig ist dagegen ein VerstÄndnis, das die Wechselbeziehungen zwischen der Äußeren Gesellschaft und dem Leben in dem entsprechenden Projekt ausreichend berÜcksichtigt. Notwendig ist zudem eine stÄndige Auseinandersetzungmit den Prozessen innerhalb des Projektes bzw. mit der eigenen PersÖnlichkeit, so krÄftezerrend sie auch sein mag. Denn genausowenig wie wir zu einem anderen Menschen werden, wenn wir auf eine idealistische Party gehen, auch wenn wir vielleicht viele Alltagsbelastungen zurÜcklassen, so wenig wandelt sich eine Person von einem auf den anderen Tag wenn sie sich einer Kommune anschließt. Das Überwinden von egoistischen Verhaltensstrukturen ist ein ebenso langer Prozeß wie die Auseinandersetzung mit Konkurrenzdenken oder sexistischen Handeln. Aufbrechen lassen sich diese Strukturen nur wenn sie stÄndig hinterfragt und angegangen werden, so beispielsweise in angeleiteten GesprÄchsrunden in denen offen Über die Entwicklungen der Gruppe bzw. der einzelnen Personen gesprochen wird.

Sean beschrieb die Bedeutung derartiger Prozesse am Beispiel eines Problems innerhalb der Farm, daß diese fast zum Scheitern gebracht hÄtte. Der GrÜnder der Kommune nahm lange hinweg eine besondere Stellung innerhalb des Projektes ein, die allgemein respektiert wurde. Nach einigen Jahren verselbststÄndigte sich jedoch diese Position, aus dem Bezug auf eine charismatische Leitfigur war eine hierarchische Struktur geworden, die dem eigentlichen basisdemokratischen Anspruch vÖllig entgegenstand. Nur im Rahmen eines lÄngeren, zÄhen Prozeßes konnte dieses Zustand inzwischen zugunsten einer Verteilung von Verantwortung Überwunden werden.

Der zweite Teil der Ansprache von Sean war von einem Appell an die TeilnehmerInnen des Gatherings geprÄgt, sich ihrer Verantwortung fÜr die Zukunft des Planeten Erde bewußt zu sein und diese auch weitergehend auszufÜllen: "Ihr habt eine Aufgabe, eine Mission. Vielleicht seid ihr die letzte Generation die noch etwas verÄndern, danach mag es schon zu spÄt sein, um die Ökologische Katastrophe aufzuhalten. Ich habe hier auf dem Gathering von beeindruckenden Projekten gehÖrt, habe mit wunderbaren Menschen gesprochen... Verbreitet Eure Ideen weiter, lebt sie, teilt Eure Erfahrungen, tragt Eure Liebe weiter, liebt... Es liegt an Euch, doch ich spreche nicht von Euren Recht oder von einer Verpflichtung, es ist Eure Entscheidung die ihr treffen mÜßt!"

 VERBINDENDE RITUALE

Mehrere gruppendynamische Übungen auf dem Gathering hatten zum Ziel zwischenmenschliche Barrieren abzubauen und Prozesse innerhalb von Gruppen deutlich zum machen. So liefen bei einer Übung alle Anwesenden, zu diesem Zeitpunkt etwa hundert Personen, in Kreis. Nach einem Stopzeichen sollte jede Person anhalten und der Person, die ihr am nÄchsten steht in die Augen schauen, und sich zum einen ihre positiven Energien und seine Liebe, sowie im Anschluß anderen Person seine Ängste und ihre Agressionen vorstellen. Deutlich wurde dabei insbesondere wie schwer es fÄllt einer andern Person in die Augen zu schauen, nicht wenige schlossen zeitweise die Augen oder begannen nervÖs zu reagieren. In einigen FÄllen entstand jedoch durch den so tiefen Blickkontakt und die gegenseitige Bereitschaft sich emotional auf den andere Person einzulassen eine zuvor vÖllig unerwartet gefÜhlsmÄßige Verbindung.

Der dritte Tag der Konferenz wurde von einem Ritual eingeleitet. Die zuvor meist hell erleuchtete Konferenz-Halle wurde nur durch eine Reihe von Teelichtern erhellt. Alle Eintretenden mußten ihre Schuhe ausziehen und GesprÄche beenden. Die Anweisungen fÜr das Ritual wurden schriftlich zusammengefaßt verteilt. Zuerst wurden verschiedene MeditationsÜbungen beschrieben, spÄter sollte sich jede Person auf einen tiefen Wunsch konzentrieren und ihn visualisieren. Die StÄrke dieses Rituals lag in dem atmosphÄrischen Bruch mit den Tagen zuvor. Unmittelbar entstand ein GefÜhl der Ruhe, das durch die Meditationen noch einmal verstÄrkt ermÖglichte sich auf sich selbst zu konzentrieren. Eine anschließende Chakra-Meditation griff diese innere Ruhe und Offenheit auf und ermÖglichte ein weiteres Hineingleiten in den eigenen KÖrper. Inwieweit sich die Teilnehmenden auf diese Übungen einließen, blieb jeder und jedem selbst Überlassen. Insbesondere blieb es frei, sich auf die jeweiligen spirituellen HintergrÜnde einzelner Rituale einzulassen. Wesentlich waren die Energien die konzentriert bzw. freigesetzt wurden, fÜr die Einzelnen wie auch fÜr das Gathering als Ganzes.

Einen HÖhepunkt des Gatherings bildete der Ecstatic-Dance-Workshop, der von Techno-Rhythmen untermalt wurde. Die Anweisungen der Workshop-Leiterin hinsichtlich bestimmter Bewegungen und KÖrperhaltungen wurden von den meisten nur Anfangs befolgt. Schon nach kurze Zeit tanzen die rund 50 TeilnehmerInnen wild durch den Raum, durcheinander springend, hÜpfend, teilweise schreiend. Es entwickelte sich eine AtmosphÄre, in der alle genau so tanzen konnten wie sie gerade wollten, ohne daß sie deshalb jemand kopfschÜttelnd angeschaut hÄtte. Im Gegenteil, wer sich fallen lassen wollte, konnte dies tun, im sicheren GefÜhl von der Gruppe aufgefangen zu werden. Es war regelrecht spÜrbar wie innere Blockaden und angestaute Energien zumindest fÜr die Zeit des Tanzes aufgebrochen wurden. Am Ende bildete sich eine Art kreisartiger Haufen, alle drÜckten sich aneinander, summten, riefen, schrien ekstatisch, die meisten ausgefÜllt von einem GefÜhl des GlÜcks.

Gerade die Verbindung von theoretischen Informationen, leidenschaftlichen Diskussionen und auch kÖrperlich-emotionaler NÄhe machte die StÄrke des Gatherings aus. Von Anfang an war eine AtmosphÄre der Offenheit prÄgend. Es war problemlos mÖglich eine Person anzusprechen und mit ihr Über Ideale und Ideen wie auch Über persÖnliche Erfahrungen zu sprechen. Zudem vermittelte die Vielfalt der Tribes und ihrer zum Teil wegweisenden Projekte ein GefÜhl der Hoffnung in einer ansonsten in Anbetracht der politischen und Ökologischen Entwicklungen meist Äußerst deprimierenden Welt. Nicht zuletzt entwickelte sich insbesondere Über die gruppendynamischen Übungen und die Rituale eine gefÜhlsmÄßige NÄhe die ansonsten im Alltag kaum einmal erfahren werden kann. Zum Teil ging diese NÄhe so tief, daß einzelne Personen anfingen zu weinen oder sich zeitweise zurÜckzogen, da sie diese IntensitÄt zeitweise nicht ertragen konnten. So nahmen die TeilnehmerInnen Über die inhaltliche Ebene hinaus vor allem ein GefÜhl mit, ein GefÜhl der MÖglichkeit und der Notwendigkeit einer grundlegenden VerÄnderung.

 THE MOON INSIDE

Den Abschluß des Gatherings bildete eine Open-Air-Party, die im wesentlichen von Mitgliedern des Moontribes organisiert wurde. Die 1993 gegrÜndete Gruppe genießt inzwischen in der Dance-Community weiter Teile der Vereinigten Staaten geradezu Kultstatus. Bekannt wurde der Moontribe durch seine Full-Moon-Parties in der WÜste der weiteren Umgebung von Los Angeles. Die auf non-profit Basis durchgefÜhrten Parties verzichten meist bewußt auf Werbung, wie auch auf StÄnde aller Art, Dekoration und Beleuchtung. "Der Mond und die Sterne sind unsere >Lightshow>" fÜhrt Dallas dazu aus, um dann auf das SelbstverstÄndnis Moontribes einzugehen "Es gehÖrt zu unseren wichtigsten Zielen unsere IntegritÄt zu wahren" fÜhrt Dallas aus "und uns kommerziellen Bestrebungen zu verschließen. Wenn Du an einer unserer Parties teilnimmst, wirst Du selbst zu einem Teil des Moontribes, Du hast genauso Verantwortung fÜr den Ablauf der Party, bist genauso verantwortlich fÜr deren AtmosphÄre, wie alle anderen."

Innerhalb des eigentlichen Tribes gibt es keine Hierarchien, Entscheidungen werden von Konsensprinzip ausgehend gemeinsam getroffen. Den Kern bildet das Council, dem meist 13 Personen angehÖren, um dieses herum hat sich das sogenannte Collective gebildet, das aus Leuten besteht die sich in irgendeiner Weise einbringen, aber nicht zum Kern gehÖren wollen, wÄhrend wiederum die Moontribe-Community von all denjenigen gebildet wird, die zu den Full-Moon-Parties kommen.

Die Party-Nacht an sich verlief in Anbetracht der hohen Erwartungen dann aber lange enttÄuschend. Rund drei Stunden dauerte es bis man von Los Angeles aus endlich den angestrebten Platz in der WÜste gefunden hatte, da die erst am Abend verteilte Wegbeschreibung einige kleine aber folgenschwere Unklarheiten aufwies. Dort erwies sich die steppenartige HÜgellandschaft mit ihrem eisigen Wind sofort als Äußerst unwirtlich. Vom Parkplatz aus war dann noch einmal ein lÄngerer Fußmarsch nÖtig, um dann endlich ein Überdachtes DJ-Pult zu erreichen. Die unverstÄndliche Reduzierung auf nur zwei BoxentÜrme verhinderten die fÜr das Tanzen so wichtige umschließende Beschallung, so daß sich die meisten direkt von dem DJ zwischen den Boxen eher frierend als tanzend drÄngelten. Es erschien wie einer dieser PlÄtze, an denen man sich fragt "Was mache ich hier eigentlich?"

Am Morgen wandelte sich dann die AtmosphÄre schlagartig. Mit der Temperatur Änderte sich auch die Stimmung und es wurde endlich mÖglich, ein GefÜhl fÜr den Raum zu erhalten. Im Laufe des Tages wurde dann auch verstÄndlich, daß die Reduzierung den so eigenen Charakter der Moontribe-Parties ausmacht. WÜste, Musik bzw. Tanz und Gemeinschaft sind dabei die zentralen Faktoren und nicht etwa wie so oft bekannte DJs und eine Überfrachtete Dekoration. Insbesondere die Kargheit der Landschaft und die aufsteigende Sonne kÖnnen dabei ein GefÜhl der inneren Klarheit erzeugen.

Die Musik wurde von DJs verschiedener Projekte bestimmt und umfaßte ein entsprechend weit gefaßtes Spektrum elektronischer Musik. Daneben entstanden an verschiedenen Stellen immer wieder Trommelsessions, teilweise die Musik auf der TanzflÄche begleitend, dann spÄter in einem gewissen Abstand eine eigenen Rhythmus findend. Es war charakteristisch, daß sich einige TÄnzerInnen komplett auszogen, ohne daß ihnen in ihrer Nacktheit jemand eine Übertriebene Aufmerksamkeit schenkte. Es war ein genauso selbstverstÄndlicher Teil der Party, daß sich auf dem Dancefloor immer wieder Tanzende an den HÄnden nahmen und einen Kreis bildeten, der sich an einer Stelle Öffnete, um spiralfÖrmig ineinander zu gehen und sich danach wieder aufzulÖsen. Derartige Elemente waren Ausdruck eines GefÜhls der Offenheit und der Gemeinschaftlichkeit, das ansonsten in der Party-Szene trotz aller BeschwÖrungen von "Love and Unity" nur selten zu finden ist. Den Ausklang bildeten am spÄten Nachmittag Golden Buddha, eine psychedelische Rockband, deren scheinbar endlose Improvisationen sich irgendwann im Nichts auflÖsten und die letzten Anwesenden noch einmal auf eine ganz eigene Reise nahmen.

Schnell deutlich wurde fÜr mich jedoch auch, daß bestimmte Rollen und Verhaltensklischees, die ich von vielen Parties in Deutschland in anderen LÄndern kenne auch hier zu finden waren. Eine geradezu internationale Erscheinung ist der Freak, der in GesprÄchen und in seinem Outfit seinen vorgeblich so tiefen Bezug zu Goa unablÄssig zur Schau stellt und sich am liebsten mit "wichtigen" Leuten fÜr alle sichtbar direkt beim DJ unterhÄlt. Ebenso bekannt ist die housige Frau, die so gerne eine Diva wÄre, sich in dem Glauben gefÄllt sie wÜrde Über allem stehen und doch vÖllig in ihren Eitelkeiten und Unsicherheiten verfangen ist. Dies betrachtend unterhielt ich mich mit Tibo Über die Frage inwieweit wir beide selbst Rollen spielen, wo die Grenzen zwischen AuthentizitÄt und Übernahme liegen. Ohne diese Fragen abschließend zu beantworten, wenn dies Überhaupt mÖglich ist, ließen wir uns nach einigen StÜcken wieder in die Musik fallen.

Zur Mittagszeit erklimme ich einen der "Hills". Zusammen mit Susie verweile ich dort, betrachte aus der Ferne die TanzflÄche, wir lassen unsere Gedanken in der Weite dieser beeindruckenden Landschaft schweifen bis sie sich wieder finden. Ich spÜre bald, daß ich weitergehen muß, allein weiter hinauf klettern muß, ein Plateau nach dem anderen, bis ich irgendwann an einen Platz gelange, an dem ich keinen Menschen mehr sehe, keinen Sound mehr hÖre.

Ich genieß diese AtmosphÄre, diese Energie. Schließe die Augen. Und beginne zu hÖren. Bewußt zu hÖren. Das Summen vorbeischwirrender Insekten. Das Rauschen des Windes. Den Klang der WÜste. Langsam steigen GefÜhle auf, BefÜrchtungen und Hoffnungen verdichten sich, werden zu Bildern von dem was mÖglich ist, auch wenn es oft so unerreichbar scheint. Traumhafte, unwirkliche, reale Bilder ausgefÜllt von den Energien des Gatherings. Die Sterne sind erreichbar, aber nur wenn wir es wirklich wollen...

Wolfgang Sterneck w.sterneck@sterneck.net
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